Fit fürs Geld: Finanzbildung zu wenig koordiniert

Zahlreiche Anbieter produzieren Unterrichtsmaterialien und organisieren Projekte zur Finanzbildung. Neben all der guten Praxis fehlt jedoch eine österreichweite Strategie, ein politisches Bekenntnis zu gemeinsamen Zielen. Bei einer von der ASB Schuldnerberatungen GmbH organisierten ExpertInnendiskussion zum Thema wurde dies einmal mehr deutlich.

(Wien, 24. Februar 2016) Viele Studien und Befragungen belegen, dass es um das Finanzwissen junger Menschen - aber auch Erwachsener - nicht gut bestellt ist. Zuletzt zeigte eine EU-Studie, dass nur elf Prozent der ÖsterreicherInnen über ihre Rechte im Zusammenhang mit der Aufnahme von Krediten Bescheid wissen. Nur ein Fünftel liest den Kreditvertrag vor dem Unterzeichnen durch und kaum jemand kennt das Rücktrittsrecht. Zur Aufklärung läuft noch bis Ende April die Infokampagne der EU-Kommission „Sie haben Rechte“ zum Thema Verbraucherkredite in Österreich. Jörg Wojahn, Vertreter der EU-Kommission in Österreich: „Die EU-Kampagne zur Aufklärung über Rechte zu Verbraucherkrediten hat dazu beigetragen, dass sich Konsumentinnen und Konsumenten bei kreditfinanzierten Anschaffungen besser informieren. Denn es steht fest, dass man sich bei der sorgfältigen Auswahl aus dem Kreditangebot eine Menge Geld und Ärger ersparen kann.“

Am 23. Februar lud die ASB Schuldnerberatungen GmbH, Dachorganisation der staatlich anerkannten Schuldenberatungen, im Rahmen der Kampagne in Wien zur hochkarätig besetzten ExpertInnendiskussion. Unter dem Titel "Fit fürs Geld: Verbraucherbildung - viel Praxis, wenig Strategie?" diskutierten VertreterInnen aus der Praxis sowie aus drei Ministerien die Zukunft der Verbraucherbildung in Österreich.
Clemens Mitterlehner, Geschäftsführer der ASB Schuldnerberatungen GmbH, präsentierte finanzielle Allgemeinbildung als Kernelement der Überschuldungsprävention. Die vielfältigen Angebote der Schuldenberatungen in den Bundesländern seien jedoch nur dort verbreitet, wo die öffentliche Hand auch entsprechende Ressourcen bereitstellt. „Wir erreichen mit unseren Angeboten viele junge Menschen, aber noch immer zu wenige. Ziel muss sein, dass jeder und jede Jugendliche im Zuge der Schulbildung und Ausbildung die Möglichkeit erhält, fit fürs Geld zu werden“, so Mitterlehner.

Es braucht eine Nationale Strategie zur Verbraucherbildung
Die ExpertInnen waren sich einig, dass Finanz- und Verbraucherbildung unerlässlich sind. „Es ist nicht nur ein Thema der Bildung, sondern auch der Demokratie. Es geht darum, selbstbestimmt agieren zu können“, sagte Regina Prehofer, Beiratsmitglied von „Three Coins“. Die bestehenden Angebote müssten gebündelt werden, um Ressourcen besser zu nutzen. „Wir können dazu zwanzig Jahre Erfahrung in der Präventionsarbeit beisteuern“, so Thorsten Rathner aus Sicht der Schuldenberatung.
Martin Taborsky von der Oesterreichischen Nationalbank betonte, dass eine Nationale Strategie zur Finanzbildung, wie sie die OECD empfiehlt, angebracht wäre.
Maria Reiffenstein vom Bundesministerium erläuterte, dass Versuche zur Koordinierung einer Nationalen Strategie bisher erfolglos blieben. Die Konsumentenschutzsektion im Ministerium konzentriere sich daher weiterhin darauf, Unterrichtsmaterialien bereit zu stellen und sich zunehmend auch in der Aus- und Weiterbildung der LehrerInnen zu engagieren.
Mit dem kürzlich vom Bildungsministerium veröffentlichten Grundsatzerlass zu Wirtschafts- und VerbraucherInnenbildung sei ein wichtiger Schritt für mehr Bewusstsein bei LehrerInnen gesetzt, merkte Manfred Wirtitsch an. In Kombination mit dem Ausbau von Unterrichtsmaterialien bezwecke das Bildungsministerium, „dass diese gesellschaftlich relevanten Themen einen Platz in der Schule haben“. Anknüpfungspunkte in den bestehenden Unterrichtsfächern gebe es viele. Alexander Hölbl vom Wirtschaftsministerium sprach sich für die koordinierte Definition von Lernzielen aus: „Vielleicht haben wir in zwei Jahren eine Strategie. Mein Anliegen wäre es, dass wir zumindest Zielkompetenzen klar definiert haben.“.
Gabriele Zgubic-Engleder von der Arbeiterkammer Wien forderte „ein eigenes Unterrichtsfach Verbraucherbildung und die Verankerung in der pädagogischen Ausbildung“.
„Wo ein Wille, da ein Weg“, sagte Präventionsexperte Thorsten Rathner. Bisher hänge die Präsenz von Verbraucherbildung im Unterricht sehr stark vom persönlichen Engagement einzelner LehrerInnen ab.

Am Podium diskutierten:
Alexander Hölbl, Leiter der Abteilung Berufsausbildung im Wirtschaftsministerium
Regina Prehofer, Beiratsmitglied von „Three Coins”, Mitglied in mehreren Vorständen und Aufsichtsräten, ehemaliges Vorstandsmitglied der Unicredit Bank und der BAWAG P.S.K., ehemalige Vizerektorin der WU Wien
Thorsten Rathner, Leiter der Prävention bei der SCHULDNERHILFE OÖ
Maria Reiffenstein, Leiterin der Sektion Konsumentenpolitik im Sozialministerium
Martin Taborsky, Leiter der Gruppe Finanzbildung in der Oesterreichische Nationalbank
Manfred Wirtitsch, Leiter der Abteilung Unterrichtsprinzipien im Bildungsministerium
Gabriele Zgubic-Engleder, Leiterin der Abteilung KonsumentInnenpolitik in der AK Wien



zur Kampagne der EU-Kommission

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