Erstmals mehr Arbeitslose als Erwerbstätige in Schuldenberatung

Der Schuldenreport 2016 macht die Verschränkung von Schulden und Arbeitslosigkeit deutlich. Erstmals wurden im Vorjahr mehr arbeitslose als erwerbstätige KlientInnen beraten. Arbeitslosigkeit bleibt der häufigste Grund für Überschuldung.

(Wien, 4. Mai 2016) Heute präsentierte die Dachorganisation der staatlich anerkannten Schuldenberatungen, ASB Schuldnerberatungen GmbH, den Schuldenreport 2016. War bis 2014 der größere Teil der KlientInnen erwerbstätig und der kleinere Teil ohne Job, hat sich das Verhältnis im vergangenen Jahr umgekehrt. „Was sich seit Jahren abgezeichnet hat, ist nun eingetreten: Erstmals bilden arbeitslose KlientInnen die größte Gruppe in der Schuldenberatung“, sagt Clemens Mitterlehner, Geschäftsführer der ASB Schuldnerberatungen GmbH. Zu Beginn der Wirtschaftskrise 2008 lag der Anteil der arbeitslosen KlientInnen noch bei knapp 28 Prozent, mittlerweile sind es 41 Prozent. Und auch bei den Überschuldungsgründen ist Arbeitslosigkeit seit Jahren die unangefochtene Nummer eins.

60.000 Personen in Beratung, ein Drittel lebt vom Existenzminimum
Im Vorjahr suchten 59.269 Personen Unterstützung bei einer staatlich anerkannten Schuldenberatung. Sie waren durchschnittlich mit 75.000 Euro überschuldet. Fast ein Drittel der KlientInnen hat weniger als den Grundbetrag des Existenzminimums (872 Euro) zur Verfügung, was die Schuldenregulierung schwierig macht. Mit 35% ist Arbeitslosigkeit/Einkommensverminderung mit Abstand der häufigste Überschuldungsgrund, gefolgt von gescheiterter Selbstständigkeit mit 21%. Das Bildungsniveau ist niedrig: 41% der KlientInnen haben nur einen Pflichtschulabschluss.

Arbeitslose können sich Privatkonkurs nicht leisten
Für arbeitslose SchuldnerInnen gestaltet sich die Schuldenregulierung schwierig und der Privatkonkurs ist oft unerreichbar. Die erforderliche Mindestquote bei der Rückzahlung der Schulden von zehn Prozent  ist – besonders bei hohen Schulden – kaum schaffbar. „Immer öfter können Menschen keinen Privatkonkurs machen oder müssen zum Mittel des ,ewigen Konkurses‘ greifen – in beiden Fällen bleiben die Betroffenen im ,Schuldturm‘ gefangen“, sagt Alexander Maly, Geschäftsführer der Schuldnerberatung Wien. Die Schuldenberatungen fordern seit Jahren eine Reform des Privatinsolvenzrechts. Eine Verkürzung der Verfahrensdauer auf europäische Standards und eine quotenunabhängige Restschuldbefreiung sollen den Zugang zum Privatkonkurs auch einkommensschwachen und armutsgefährdeten Personen ermöglichen.

Überschuldung als Thema der Arbeitsmarktpolitik
Der Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und Überschuldung ist deutlich. „Schulden und vor allem Lohnexekutionen führen bei vielen Arbeitssuchenden zu einer vermeintlichen Ausweglosigkeit. Unsere Beratung gibt ihnen in ihrer Jobsuche wieder eine Perspektive“, sagt Christof Lösch von der Schuldnerberatung Steiermark. Während für den Geschäftsführer des steirischen AMS Karl-Heinz Snobe Schuldenberatung auch in Zukunft ein wichtiges arbeitsmarktpolitisches Handlungsfeld ist, zieht sich das AMS in anderen Bundesländern immer mehr aus der Finanzierung der Schuldenberatung zurück.

zum Download des Schuldenreports
 

 

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