Schuldenreport 2011

Schuldenberatungen kritisieren Reformstau und fordern besseren Zugang zum Privatkonkurs und Entlastung von Arbeitgebern als Drittschuldner

(Linz, 12. Mai 2011) Über 52.000 Personen mit Schuldenproblemen wurden auch im Jahr 2010 von einer der 10 staatlich anerkannten Schuldenberatungseinrichtungen in Österreich bei der Bewältigung ihrer Überschuldungssituation unterstützt. Der größte Teil davon (43%) gibt Einkommensverschlechterungen bzw. Arbeitslosigkeit als Hauptgrund für die nicht mehr bewältigbaren Schulden an. Statistiken der Schuldenberatungen zeigen darüber hinaus deutliche Zusammenhänge zu Bildungsbenachteiligungen. So konnten 35,5% der SchuldenberatungsklientInnen höchstens einen Pflichtschulabschluss erreichen, 48% verfügen über ein Einkommen von weniger als 1.000 Euro im Monat, mehr als ein Viertel der KlientInnen (insgesamt 26,7%) bleibt zum Leben maximal oder weniger als das Existenzminimum von monatlich 783 Euro.

Insgesamt wurden 2010 wie im Jahr „Gerade für diese besonders belastete Personengruppe wäre die Umsetzung der längst fälligen Reformen im Privatkonkurs dringend notwendig“ fordert Maga. Maria Kemmetmüller, Geschäftsführerin der Dachorganisation der Schuldenberatungen asb, ein Ende des aktuellen Reformstaus und appelliert an die neue Justizministerin, den Zugang zum Privatkonkursverfahren zu verbessern.

Schuldenberatung zeigt Wirkung, das bestätigen neben den täglichen Erfahrungen der vielen Tausend KlientInnen sowohl ökonomische Studien, die den volkswirtschaftlichen Nutzen der Schuldenberatung mit mehreren Millionen Euro beziffern, als auch die mittlerweile mehr als 10.000 Abschöpfungsverfahren, die von der Schuldenberatungs-Dachorganisation asb seit 1995 als Treuhänder im Konkursverfahren abgewickelt wurden.

Umso wichtiger und sinnvoller sei es, neben den notwendigen Reformen in der Schuldenregulierung das qualitätsvolle Angebot der Schuldenberatung in allen Bundesländern auf hohem Niveau zu sichern. Vor allem im Bereich präventiver Tätigkeiten sei dieses sogar noch auszubauen und beispielsweise durch ein Angebot an Budgetberatung für Menschen, die noch nicht in Überschuldung geraten sind, zu erweitern, so Kemmetmüller. „Hier gilt es – ergänzend zu den Förderungen der öffentlichen Hand, die weiterhin notwendig bleiben – zusätzliche und neue Finanzierungsmodelle auch unter Einbeziehung der Gläubiger zu finden.“

„Staatlich anerkannte Dringenden Reformbedarf sehen die Schuldenberatungen auch im Hinblick auf die Entlastung von Arbeitgebern als Drittschuldner. „Die derzeitige Regelung ist antiquiert, stellt ein Problem für Arbeitgeber und ArbeitnehmerInnen dar und führt zu kontraproduktiven Folgen hinsichtlich der Erwerbsmöglichkeiten von Menschen mit Schuldenproblemen“ kritisiert Kemmetmüller. Notwendig seien – mit Blick auf die Daten des Schuldenreports 2011 – auch die von vielen Seiten geforderte Aufhebung von sozialen Benachteiligungen im Bildungssystem und die Sicherung adäquater Einkommen aus Löhnen und Sozialleistungen. Nicht zuletzt sei dabei der Betrag des unpfändbaren Existenzminimums signifikant anzuheben.

Mit dem Zusammenhang zwischen niedrigem Einkommen und Schuldenproblemen beschäftigen sich die Schuldenberatungen auch auf der 4. Österreichischen Schuldenberatungstagung, die am 16. und 17. Juni 2011 in Salzburg stattfinden wird.

zum Download Schuldenreport 2011

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