Schuldenreport 2012: Zahl der Privatkonkurse steigt - aber zu langsam

(27.04.2012) 2011 gab es 6,5% mehr Privatkonkurseröffnungen als im Jahr zuvor. Schuldenberatungen schätzen, dass der Bedarf an Privatkonkursen jedoch wesentlich höher ist. Anlässlich der Präsentation des „Schuldenreport 2012“ fordern sie eine Offensive für einen zeitgemäßen Privatkonkurs: eine Verkürzung der Verfahrensdauer auf europäische Standards sowie eine quotenunabhängige Restschuldbefreiung.

Seit der Einführung des Privatkonkurses 1995 wurden über 100.000 Privatkonkurse in Österreich beantragt. Nicht allen Anträgen folgt auch eine Konkurseröffnung. Die Hürden sind gerade für einkommensschwache bzw. armutsgefährdete Personen oft zu hoch. So bleibt ein Neustart ausgerechnet jenen verwehrt, die ihn am dringendsten bräuchten. Nach Einschätzung der staatlich anerkannten Schuldenberatungen könnten auch doppelt so viele Privatkonkurse wie derzeit abgewickelt werden. 

„Es hat viele schöne Aspekte in Österreich zu leben. Für Personen, die ein gerichtliches Schuldenregulierungsverfahren anstreben, wäre beinahe jedes andere Land in Europa die bessere Wahl“, sagt Hans W. Grohs, Geschäftsführer der ASB Schuldnerberatungen GmbH, Dachorganisation der staatlich anerkannten Schuldenberatungen. Denn nirgendwo sonst dauert das Verfahren so lange und kaum wo existiert eine Mindestquote als Entschuldungshürde. „Mit Recht darf da ein Außenstehender fragen: Was hat das Insolvenzverfahren in Österreich für einen Sinn, wenn es für zu viele nach sieben Jahren Leben am Existenzminimum heißt: leider Nein!

Reformbedarf: zu lange Entschuldungsdauer, unnötige Mindestquote

Reformen im Privatinsolvenzrecht sind überfällig. Ein Privatkonkurs dauert in Österreich im Regelfall sieben Jahre, das bedeutet sieben Jahre Leben am Existenzminimum. Unter bestimmten Umständen kann das Verfahren sogar auf zehn Jahre verlängert werden. Zudem müssen SchuldnerInnen mindestens zehn Prozent ihrer Schulden zurückzahlen, sonst wird die Restschuldbefreiung nach sieben Jahren verwehrt – was für den Schuldner/die Schuldnerin bedeutet: alle Forderungen inkl. Zinsen leben in voller Höhe wieder auf. Eine Sanierung ist unmöglich.
Außer in Tschechien gibt es in keinem anderen europäischen Land diese Mindestquote, die für einkommensschwache oder aufgrund von gescheiterter Selbstständigkeit sehr hoch verschuldete Menschen eine zu große Hürde bedeutet. Was die Entschuldungsdauer betrifft, gibt es in den überwiegenden europäischen Staaten die Tendenz der Verkürzung von etwa fünf Jahren auf drei Jahre. Auch hier ist Österreich mit sieben Jahren Verfahrensdauer Schlusslicht.

Schuldenreport 2012: Zahl der KlientInnen der Schuldenberatungen steigt

Der Schuldenreport der staatlich anerkannten Schuldenberatungen liefert jährlich zuverlässige Daten zur Überschuldungssituation von Privatpersonen. Der Schuldenreport 2012 gibt Auskunft darüber, dass sich 2011 rund 54.000 Personen (um 2.000 Personen mehr als im Vorjahr) an eine Schuldenberatung gewandt haben, um Unterstützung zu erhalten. Die Durchschnittsverschuldung der KlientInnen lag bei 73.000 Euro, wobei der Großteil (64%) unter 50.000 Euro Schulden hat. Der mit Abstand am häufigsten genannte Grund für Überschuldung ist mit 43% Arbeitslosigkeit (bzw. Einkommensverschlechterung).
Die KlientInnen der Schuldenberatungen haben insgesamt eine geringere Schulbildung als die Gesamtbevölkerung, fast 35% haben maximal eine Pflichtschule absolviert, nur die Hälfte von ihnen hat aktuell einen Arbeitsplatz und sie haben im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt deutlich weniger Einkommen zur Verfügung. 25% der KlientInnen verdienten 2011 weniger als das Existenzminimum (793 Euro), wodurch sich eine Schuldenregulierung besonders schwierig gestaltet.

Zum Download des Schuldenreport 2012

Im PRESSE-Bereich finden sich auch weitere Hintergrundinformationen sowie Einzelgrafiken als Bildmaterial.


Rückfragen für Medien:

Dr. Hans W. Grohs, Tel. 0732-65 65 99, Mobil 0699-102 133 15, hans.grohs@asb-gmbh.at
Dr.in Michaela Moser (PR-Büro), Mobil 0676-544 26 46, michaela.moser@asb-gmbh.at

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SB Salzburg, Tel. 0662 879901 – Peter Niederreiter
SB Tirol, Tel. 0512 57 76 49 – Thomas Pachl
SB Vorarlberg, Tel. 05574 46 18 5 – Peter Kopf
SB Steiermark, Tel. 0316 37 25 07 – Christof Lösch
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