Privatkonkurs Neu: Verbesserungen für überschuldete Frauen

(05.03.2018) Frauen verdienen in Österreich immer noch weniger als Männer. Laut Statistik Austria liegt der Gender Pay Gap in Österreich bei knapp 22 % (Bruttostundenverdienste 2015) und damit deutlich über dem EU-Schnitt von 16 %. Diese Situation macht sich auch in den Schuldenberatungen bemerkbar.

Frauen haben bei der Erstberatung durchschnittlich 52.000 Euro Schulden, bei Männern sind es 72.000 Euro (um Extremwerte bereinigter Durchschnitt). „Bei Frauen führt schon ein geringerer Schuldenstand in die Überschuldung. Warum das so ist, zeigt ein Blick auf das Einkommen: Fast ein Drittel der Klientinnen der Schuldenberatungen hat nicht mehr Einkommen als das Existenzminimum zur Verfügung“, erklärt Maria Kemmetmüller, stellvertretende Geschäftsführerin der ASB Schuldnerberatungen GmbH, Dachorganisation der staatlich anerkannten Schuldenberatungen.

Bei den Überschuldungsgründen zeigen sich ebenfalls Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Arbeitslosigkeit bzw. Einkommensverschlechterung ist bei Frauen wie bei Männern der mit Abstand häufigste Grund für die Überschuldung (33 % bei Frauen, 32 % bei Männern) und auch beim Überschuldungsgrund „Umgang mit Geld“ liegen sie gleichauf (je 18 %). Frauen bekommen jedoch häufiger durch eine Scheidung/Trennung Schuldenprobleme (17 % der Frauen, 12 % der Männer) und auch Bürgschaften/Mithaftungen bei Krediten, die mitunter über das Beziehungsende hinaus bestehen bleiben, bringen mehr Frauen in Bedrängnis (11 % der Frauen, 3 % der Männer). Bei Männern ist eine gescheiterte selbstständige Tätigkeit mit 28 % auf Platz zwei der Überschuldungsgründe (17 % bei Frauen).

Von den knapp 8.000 im Vorjahr beantragten Privatkonkursen entfielen 36 % auf Frauen. Die im November 2017 in Kraft getretene Reform des Privatkonkurses wird besonders für Frauen Erleichterungen bringen: Aufgrund der häufig niedrigen Einkommen (etwa Alleinerzieherinnen und Mindestpensionistinnen) waren sie bislang öfter an der Mindestquote von 10 % gescheitert. „Durch den Wegfall der Mindestquote nach der Privatkonkursreform haben auch Frauen mit niedrigen Einkommen endlich die Chance auf einen Neustart“, sagt Maria Kemmetmüller.

Zur Aussendung der asb

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Fachpublikum News

Frauen in der Schuldenberatung

(08.03.2023) Knapp 23.000 Frauen haben 2022 Unterstützung von einer staatlich anerkannten Schuldenberatung erhalten. Das sind beinahe 41 % der insgesamt unterstützten Personen. Die Klientinnen hatten bei der Erstberatung durchschnittlich 51.000 Euro Schulden (um Extremwerte bereinigter Wert; Männer 68.000 Euro). 2.950 Frauen sind im Vorjahr in Privatkonkurs gegangen. Das sind 36 % der in Österreich eröffneten Privatkonkurse. Fast jede zweite erstberatene Klientin der Schuldenberatung hat als höchste Ausbildung einen Pflichtschulabschluss.  [ mehr ]

Schuldenberatungen: 10 Prozent mehr Erstkontakte

(28.02.2023) Die Zahl der Menschen, die sich erstmals an eine Schuldenberatung wenden, steigt. 2022 hatten 18.565 Menschen einen Erstkontakt mit einer staatlich anerkannten Schuldenberatung, das sind beinahe 10 Prozent mehr als im Jahr davor. Die immer noch spürbaren Auswirkungen von Corona treffen auf massiv gestiegene Lebenshaltungskosten und erhöhte Kreditzinsen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass die Insolvenzregeln für Privatpersonen wieder verschärft werden. [ mehr ]

Privatinsolvenzen 2022 um 13,5 Prozent gestiegen

(04.01.2023) Im Jahr 2022 wurden in Österreich insgesamt 8.176 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet, das sind um 973 Verfahren mehr als im Jahr 2021 und entspricht einer Steigerung von 13,5 Prozent. Die Zahl der Insolvenzanträge ist um 1.326 Anträge bzw. 17,4 Prozent auf 8.952 Anträge gestiegen. [ mehr ]