Referenzbudgets: Mindestsicherung zu niedrig

Utl: Schuldenberatungen zu den Aktionstagen gegen Armut: Um ein bescheidenes aber angemessenes Leben in Österreich zu führen, ist deutlich mehr Geld nötig als die Mindestsicherung. Sogenannte Referenzbudgets geben Orientierungshilfe, was es braucht, um Armut und soziale Ausgrenzung zu verhindern.


(Wien, 14. Oktober 2015) Welche Ausgaben hat eine Familie mit zwei Kindern zu bewältigen? Wie kommt eine Alleinerziehende gut über die Runden? Die Analyse von Haushaltsbudgets gehört zum täglichen Geschäft der Schulden- und Budgetberatung. Im Rahmen eines europäischen Projektes hat die Dachorganisation der staatlich anerkannten Schuldenberatungen (ASB Schuldnerberatungen GmbH) für Österreich sogenannte Referenzbudgets entwickelt, die 2015 umfangreich aktualisiert und optimiert wurden. Es liegen Ausgabenraster für sieben Haushaltstypen vor (vom Ein-Personen-Haushalt bis zum Paar mit drei Kindern), die notwendige monatliche Ausgaben darstellen. Sie zeigen auf, welches Einkommen es braucht, um ein Leben zu führen, das gesunde Ernährung, angemessenen Wohnraum und ein Minimum an sozialer und politischer Teilhabe ermöglicht.


Für ein Paar mit schulpflichtigem Kind liegt das Referenzbudget bei 2.772 Euro. Die Armutsgefährdungsschwelle für diese Familie liegt bei 2.089 Euro, die Bedarfsorientierte Mindestsicherung gesteht ihr nur 1.567 Euro zu. „Der Vergleich mit den Referenzbudgets zeigt: Es braucht ein wesentlich höheres Einkommen als die Mindestsicherung, damit ein angemessenes Leben inklusive sozialer Teilhabe möglich ist“, sagt Maria Kemmetmüller, Projektleiterin bei der ASB Schuldnerberatungen GmbH. Täglich suchen Menschen bei einer Schuldenberatung Unterstützung oder machen einen Termin für eine Budgetberatung aus, weil sie mit ihrem Einkommen nur schwer auskommen.

Die Referenzbudgets der ASB Schuldnerberatungen GmbH werden jährlich aktualisiert. Dieses Jahr stand eine größere Bearbeitung an, wofür nicht nur die Werte, sondern auch die Grundlagen für die Berechnung (etwa die sogenannten „Warenkörbe“) aktualisiert wurden. Neben den Erfahrungen aus der Teilnahme an einem EU-Projekt, bei dem die vergangenen Monate an Methoden gearbeitet wurde, flossen im wesentlichen auch Ergebnisse aus zahlreichen Fokusgruppen-Diskussionen mit VerbraucherInnen in die neuen Referenzbudgets ein.
Für die Anwendung von Referenzbudgets lässt sich ein weites Feld abstecken. Sie werden in der Schuldenberatung sowie in der präventiven Budgetberatung eingesetzt. Auch andere Beratungseinrichtungen und Interessensvertretungen wie die Armutskonferenz greifen auf die Referenzbudgets zurück. Diese werden europaweit im Zusammenhang mit der Frage angemessener sozialer Standards verwendet und sind so ein Instrument für Politik gegen Armut und soziale Ausgrenzung.


zum Download: Überblick Referenzbudgets 2015

zu den Budgetbeispiele auf www.budgetberatung.at

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